Recherchereise // Südkorea und ein Abstecher an die Grenze

Ich bin zwar kein Anhänger vom Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses, doch sollte der irgendwann tatsächlich einmal beginnen, empfehle ich den Verantwortlichen einen Blick nach Seoul. Dort rekonstruiert die Stadtverwaltung gerade den Gyeongbokgung Palast, eine gigantische Anlage aus dem 14. Jahrhundert, die während der japanischen Kolonialherrschaft und dem Koreakrieg fast vollständig zerstört wurde. Mittlerweile ist die Hälfte des schon Palastes wiederaufgebaut und erstaunlicherweise kommt beim Durchschreiten nicht das geringste Themenpark-Gefühl auf. Selbst auf einen Mc Donalds wie in der Verbotenen Stadt in Peking haben die Koreaner verzichtet. Unglaublich und das in Asien.   

Grundsätzlich erlebt das Land gerade eine Art kultureller Renaissance. Allerorts bauen die Südkoreaner die im Koreakrieg oder von den Japanern zerstörte Paläste und Tempel wieder auf und das Fernsehen macht Rekordquoten mit historischen Seifenopern. Die Rekonstruktion der eigenen Geschichte scheint ihr nächstes Kollektiv-Projekt zu sein, nachdem die Südkoreaner in wenigen Jahrzehnten aus ihrem Agrarstaat eine der führenden Wirtschaftsnationen gemacht haben ganz Asien im K-Pop Fieber ist. 

Da bleibt dann nur noch eine Baustelle, allerdings eine gewaltige. Denn auch wenn plötzlich überall in den Medien Fotos eines gut gelaunten "Kim Jong Un" beim Besuch eines der anscheinend zahlreichen Pjönjanger Freizeitparks auftauchen, sieht es nicht danach aus, dass dem Regime in Nordkorea demnächst die Luft ausgeht. Denkt man an die Menschen, die in diesem Land leben müssen, ist das natürlich eine Katastrophe.

Bei einer Vereinigung müsste Südkorea allerdings einer seiner größten Touristenattraktionen abschreiben, die DMZ genannten entmilitarisierten Zone zwischen Nord und Süd. Dort kann man sich durch mehrere Agententunnel zwängen und von einer Aussichtsplattform aus in einiger Entfernung ein echtes nordkoreanisches Dorf sehen. Fotografieren darf man allerdings nicht, daran hält sich zwar niemand aber die Südkoreaner fürchten vermutlich, dass Fotos von dem Dorf "Kijong Dong" das Bild von Nordkorea als heruntergewirtschaftetes Armenhaus tropedieren könnten, besonders schlimm sieht es dort nämlich nicht aus. Im Südkorea wird das Dorf daher als Propaganda Dorf bezeichnet, im Norden als Friedensdorf. Womit die Kluft zwischen den beiden Landesteilen wohl in etwa abgesteckt wäre.