Reise in den Iran // Zwischen Schah und Scharia

Das Mausoleum des geistigen Übervaters des Iran war einer der interessantesten Orte, die wir auf der Reise besucht haben, auch wenn er so gar nicht meinen Erwartungen entsprach. Ich hatte eigentlich auf etwas Pomp oder aufgepeitschte Spiritualität in Form irgendwelcher imposanter Bauten gehofft. Schliesslich kann ich mich noch an die Fernsehbilder von Khomeinis Beerdinung 1989 erinnern, bei der Millionen in Tränen aufgelöster Iraner derart die Beherrschung verloren, dass der Sarg des Ayatollah beim Transport durch die Menge aufging und die Leiche Khomeinis herausplumpste.

Von all dem war nichts zu spüren, das Mausoleum am Rande Teherans sieht aus wie ein Flugzeughanhar, in dessen mit Perserteppichen augelegtem Innenraum ein Glaskasten mit dem Sarg des Ayatollah steht. Alles in allem sehr undogmatisch und die Stimmung war uns gegenüber keinesfalls feindesig. Kinder toben herum, vor der Tür wird gepicknickt und hier und da auch mal gebetet. 

Wie überall auf der Reise waren wir auch hier die einzigen Ausländer und wie überall wurden wir auch hier mit einem lächelnd vorgetragenen "Welcome to Iran" begrüßt. Danach ging es dann schnell ans Eingemachte, erörtert wurden die wirklich wichtigen Themen. Sprich Fußball. Warum Hertha nicht längst schon den Preetz rausgeschmissen hat, will ein Iraner wissen, nachdem ich auf die Frage nach meinem Wohnort Berlin geantwortet habe. Als ich ihm natürlich verblüfft von so viel Bundesliga-Kompetenz antworte, dass es vermutlich gerade keinen besseren gibt, der den Job übernehmen könnte, lacht er und sagt dann, das sei wie bei den Iranern und ihrem Präsidenten.

Das ist natürlich lustig, irgendwie aber auch tragisch, denn nach den überaus postitiven Erfahrungen im Iran bezweifle ich stark, dass es nicht wirklich jemand besseren gibt als Ahmadinedschad, der das Land repräsentieren könnte.